von Matthias via Die Erklaerung
Mal was dazuverdienen? Geht doch fix – so nebenbei. Das Geld gibt’s bar auf die Hand, eine wäscht eben die andere. Ist doch Ehrensache…
Und wieder einmal trifft Eduard Zimmermanns Lieblingssatz „Leider kein Einzelfall“ genau ins Schwarze. Diesmal ins schwarze Zentrum der Wirtschaft, das viele seit Beginn der Krise, unseraller Krise, in den Vorstandsetagen der Banken wähnen. Banker, die doch zu allem fähig sind! Dieser schwarze Kern kann doch wirklich nur bei denen sein, sicher in den berühmten schwarzen Koffern, die die alle haben – irgendwo zwischen Vorstandsgehalt, Ruhegeld, Boni und Dividende. Diese Banker aber auch! Um bei Ede Zimmermann zu bleiben: „Vorsicht, Falle!“
An dieser Stelle ein Zitat aus einer Umfrage des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft.
„Vieles läuft schwarz
Fast jeder dritte Deutsche hat im Jahr 2007 Arbeiten ohne Rechnung vergeben und dafür im Schnitt etwa 1.000 Euro bezahlt. Das hat eine Umfrage für das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ergeben. Vor allem handwerkliche Leistungen werden gerne schwarz erbracht. Aber auch familienunterstützende Dienstleistungen wie Putzen, Hausaufgabenbetreuung, Bügeln und Gartenarbeit werden am Finanzamt vorbei abgerechnet. Diese Arbeiten machten 2007 immerhin 16 Prozent der Schwarzarbeit aus. Wenn es gelingt, diese illegalen Jobs aus der Schmuddelecke herauszuholen und den Markt für Familiendienstleistungen generell anzukurbeln, dann könnten in Deutschland mehrere Hunderttausend legale Arbeitsplätze entstehen.
Das Potenzial für haushaltsnahe Dienste ist enorm. Gerade einmal 8 Prozent der Paare mit Kindern und ein knappes Viertel der alleinstehenden Senioren beschäftigen bislang einen Profi im Haushalt. Würden sich indes alle Bundesbürger, die sich nach der IW-Studie helfen lassen wollen, ebenfalls eine Hilfe im Haushalt leisten, könnten bis zu 600.000 Vollzeitstellen entstehen. Weitere knapp 180.000 volle Arbeitsplätze kämen hinzu, wenn auch nur 30 Prozent der familienunterstützenden Dienstleistungen regulär erbracht würden – heute sind es 5 Prozent.“
(Quelle: IW Köln, Pressemitteilung Nr. 9/24.02.2009 PDF) LESENSWERT!
Man muß gar nicht lange herumrechnen, um herauszubekommen, daß Schwarzarbeit der Gemeinschaft schadet.
Das Bundesfinanzministerium ging in seiner Jahresbilanz 2004 von rund 356 Mrd. aus, die in die Schattenwirtschaft geflossen sind. 16,2 % des Bruttoinlandsproduktes!
Ja, die Finanz- und Wirtschaftskrise ist eine schlimme Sache, und wir zeigen zu Recht auf jene, die uns diese Misere beschert haben. Wir fordern zu Recht Konsequenzen und Veränderungen. Und wir zeigen nur zu gern auf die, die wir als Schuldige erkannt haben – oder glauben, erkannt zu haben. Wer im Licht der Öffentlichkeit steht, wird schnell erkannt.
Josef Ackermann ist zum Feindbild Nr. 1 geworden, er ist der Prototyp des Großverdieners, des Topmanagers, des Bankers, und wird so ziemlich für alles verantwortlich gemacht, was in der Wirtschaft und im Finanzsektor falsch läuft. Jahresgehalt: 14 Mio. Euro. Da schimpft man gern. Natürlich ganz neidfrei. Aber diese 14 Mio. versteuert Josef Ackermann.
Um auf die Summe von jährlich 350 Mrd. zu kommen, müßte es in Deutschland 25.000 Ackermänner geben oder 10.000 Bankvorstände der Deutschen Bank (Vorstandsgehälter 2007 rund 33 Mio.) Und die müßten alle schwarz die Hand aufhalten. So wie viele von uns. Wer schadet dem Land mehr?
Schwarzarbeit ist gesellschaftlich weitgehend akzeptiert, richtig viel Geld zu verdienen, ist es nicht. Denn Schwarzarbeit wird von vielen lediglich als Notwehr gegen die Abzocke des Staates angesehen. „Abzocke“, die weit geringer ausfallen könnte, wenn alle ins Steuer- und Sozialsystem einzahlen würden.
Wann aber haben wir uns zum letzten Mal an die eigene Nase gefasst?
Sind 350 Mrd. denn ein Pappenstiel?
Moral von anderen zu fordern, ist leicht und geht bequem vom Fernsehsessel aus.
Oder auch in Blogs.
Dann und wann auf sich selbst zu zeigen, ist die schwerste Übung.
Viele versuchen es erst gar nicht, fürchten sie doch, sich bei einer solch akrobatischen Verrenkung der Schwierigkeitsstufe 10 einen Zacken aus der Krone zu brechen.
Bei Bertold Brecht heißt es:
„Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht,
Und man sieht nur die im Lichte,
Die im Dunkeln sieht man nicht.“
Drei Groschen für die Oper zusätzlich sind schön, man hat seinen Kunstgenuss und kurbelt gleichzeitig die Binnenkonjunktur an.
Aber sollten wir nicht versuchen, möglichst viele aus dem Schatten ins Licht zu holen – auf die Bühne der Legalität und des Gemeinwohls?