Hier geht es nicht um Hartz IV – soviel vorweg. Diesmal nimmt sich die SPD einer Bevölkerungsschicht an, die von ihr allzuoft vernachlässigt wird: der Arbeitnehmer. 300 Euro sollen, wenn es nach der einstigen Arbeiterpartei geht, künftig all jene bekommen, die auf eine Steuererklärung verzichten. 300 Euro pauschal. Einfach so. Verheiratete sollen sogar 600 Euro erhalten. Einfach so. Eine Information per Postkarte an das Finanzamt soll genügen. Einzige Voraussetzung: Bitte keine Nebeneinkünfte! Ziel des sogenannten Steuerbonos sei
eine Entbürokratisierung des Steuerwesens und Hilfe insbesondere für Klein- und Durchschnittsverdiener.
Es wäre tatsächlich eine Revolution, denn welche so lästige Angelegenheit wie die jährliche Steuererklärung kann man sich durch eine simple Postkarte vom Hals schaffen? Staatlich geförderte Bereicherung durch Unterlassung. Ein neuer Weg.
Warum nicht gleich einen Schritt weitergehen?
Vor einer Stunde flatterte mir eine aktuelle Meldung des Statistischen Bundesamtes ins elektronische Postfach, darin heißt es:
Insgesamt wendet die deutsche Wirtschaft über 47 Milliarden Euro jährlich für die Erfüllung bürokratischer Pflichten, wie zum Beispiel Anträge, Nachweise oder statistische Berichtspflichten auf.
47 Milliarden für Bürokratie, die den deutschen Unternehmen aus der Kasse gezogen werden. 47 Milliarden, die die Unternehmen gerade jetzt in dieser wild um sich greifenden Krise gut gebrauchen könnten. Sie könnten Arbeitsplätze sichern.
Laut besagter Pressemitteilung hat sich die Bundesregierung verpflichtet, bis zum Jahr 2011 ganze 25 Prozent der Bürokratiekosten für Unternehmen abzubauen. Das Geld wird aber bereits jetzt uns hier gebraucht!
Die Bundesregierung dreht hier und dort an den Schräubchen, die große Steuerschraube wird außer Acht gelassen, was man an diesem Beispiel nur zu deutlich sehen kann:
So wurde der Schwellenwert, ab dem jedes Unternehmen meldepflichtig ist, für die jährlichen Im- oder Exporte im innergemeinschaftlichen Handel von 300 000 auf 400 000 Euro angehoben. Dadurch sind 9 500 der etwa 70 000 Unternehmen, die bisher monatlich Meldungen über ihre Warenein- und ausgänge liefern mussten, von dieser Auskunftspflicht befreit. Die Wirtschaft wurde damit um knapp elf Millionen Euro pro Jahr entlastet.
9500 von 70.000 betreffenden Unternehmen wurden also um insgesamt elf Millionen Euro entlastet. Elf Millionen – die gewinnt mancher im Lotto. Und die übrigen 61.500 Unternehmen?
Eine nachhaltige Steuerentlastung braucht ganz Deutschland. Bürokratie belastet die Wirtschaft und somit den Arbeitnehmer, der zugleich Verbraucher ist und am Ende die Kosten mit höheren Preisen bezahlen wird. Das ist eine simple Wahrheit des Wirtschaftskreislaufes. Entlastungen von Unternehmen kommen allen zugute. Hier geht es nicht um Daimler Benz und VW, schon gar nicht um die Deutsche Bank, hier geht es um den Mittelstand.
Der Mittelstand, das sind in Deutschland 3,6 Millionen Unternehmen und Selbstständige mit weniger als 500 Beschäftigten. Der Mittelstand, das sind 99,7 Prozent aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen mit fast 40 Prozent aller steuerpflichtigen Umsätze. Der Mittelstand beschäftigt über 70 Prozent aller Arbeitnehmer und bildet 83 Prozent aller Auszubildenden aus.
Wir schauen oft nach oben, fokussieren unseren Blick auf die großen Namen, doch die Stützen der Gesellschaft, das sind die Handwerksbetrieb um die Ecke, das Internetcafé, der Handy-Shop, die vielen Dienstleister…
Nur 0,3 Prozent der etwa 3,6 Millionen Betriebe insgesamt zählen zum Kreis der Großunternehmen.
Die genannten Zahlen stammen vom Institut für Mittelstandsforschung, Bonn, März 2009 (PDF-Download)