Bildung


„Wachstum gibt es nur durch Bildung,“ das meint wenigstens Herr Dohmen in einem Interview. Dahinter verbirgt sich immer die Forderung, mehr Geld in Hochschulbildung zu stecken.

„Bildung ist wichtig,“ „Wir in Deutschland haben ja sonst keine Ressourcen.“ Stimmt ja. Aber ist es deswegen direkt eine gute Idee, einfach mehr Geld ins Hochschulsystem zu stecken? Kaum.

Was ist überhaupt die Theorie, die hinter diesen Parolen? Warum glauben wir unbesehen, dass mehr Akademiker zu mehr Wachstum führen würden? Weil Akademiker im Schnitt mehr verdienen?

Wenn man sich mal sachkundig macht, dann stellt man fest, dass es diesen Zusammenhang auch gar nicht gibt. Richard Vedder zeigt in Going Broke By Degree, dass es in den USA umgekehrt ist: die Staaten, die mehr ausgegeben haben, hatten geringere Wachstumszahlen. Auch Alison Wolf hat viele intelligente Dinge in Does Education Matter? zu sagen (man kann bei Amazon mal reinlesen).

Irgendwie ist es ja auch das, was man erwarten würde: wenn man mehr Leute auf die Uni schickt, dann nimmt die Qualität der Lehre und des Abschlusses eher ab. Dazu kommt, dass man das Geld, welches man in die Bildung steckt, ja auch von irgendwem per Steuer abnehmen muß: diese Opportunitätskosten seien oft das Geld nicht wert, meint Robert Vedder auf Basis seiner Rechnungen (siehe oben).

Ich möchte hier eine akademische Ausbildung nicht schlechtreden, sie ist für viele Menschen eine große Chance und eine Verbesserung. Aber nur weil etwas gut ist, bedeutet das nicht, dass mehr davon immer besser ist — jeder Hobbykoch, der jemals etwas versalzen hat, sollte das wissen.

Aber wieder mal frage ich mich: warum werden Tatsachen von Akademikern, die mit dem Prüfen von Tatsachen vertraut sein sollten, einfach ignoriert und stattdessen Panik gemacht? Leider ist die offensichtliche Erklärung vermutlich richtig: Eigeninteresse.

Die ZEIT äußert sich schon mal zur Bundestagswahl und fordert, einen stärkeren Fokus auf die Wissenschaft zu setzen. Das ist prinzipiell eine gute Idee und auch die Serie „Forscher zur Bundestagswahl“ fängt gut an, mit einem Beitrag von Medizin-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard zur sogenannten „Grünen Gentechnik“:

Entweder zerstören wir dazu Natur und machen unberührte Flächen urbar. Oder aber wir setzen die grüne Gentechnik ein, um unsere Äcker ergiebiger zu machen und weniger Pflanzenschutzmittel zu versprühen. Insofern ist ein Bekenntnis zur grünen Gentechnik auch eines zum Naturschutz.

[...]

Bisher hat es keinen nachweisbaren Schaden für Mensch und Umwelt gegeben, obwohl die Pflanzen weltweit auf einer Fläche angebaut werden, die dreimal größer ist als Deutschland. Warum sollten Cornflakes aus Genmais ausgerechnet für die Deutschen schädlich sein?

Das ist der „wissenschaftliche Konsens“, der von „Umweltschützern“ gerne referiert wird, wenn sie damit ihre politischen Vorschläge rechtfertigen wollen, zB. in Bereich des Klimaschutzes.

Aber die ZEIT schießt in ihrem Hauptartikel wohl etwas über das Thema hinaus. Dort wird letztlich gefordert, die staatlichen Forschungsausgaben zu erhöhen, auf mehr als 3% des BIP. Die Argumente dafür, viel Forschung zu treiben sind alle korrekt und richtig, aber aus ihnen folgt nicht, dass mehr Staatsmittel in diesen Bereich fließen sollten.

Die Belege, dass höhere Investitionen in die Forschung zu höherem Wirtschaftswachstum führt, sind bestenfalls dünn. So findet ein OECD-Bericht aus dem Jahre 2003 einen „marked positive effect of business-sector R&D, while the analysis could find no clear-cut relationship between public R&D activities and growth, at least in the short term.“ Ein anderes Papier der OECD findet den gleichen Effekt. (Die ZEIT-Studie differenziert nicht sauber zwischen privater und staatlicher F&E-Aktivität.)

Terence Kealey hat in diesem Video auch ein paar interessante Dinge über die Notwendigkeit und den Nutzen von öffentlichen Forschungsinvestitionen zu sagen.

Gerade wenn man einen Artikel für mehr Wissenschaft schreibt, sollte man sich doch wirklich die Daten anschauen, liebe ZEIT. Statt mehr öffentliches Geld in F&E zu stecken, wäre es vielleicht sinnvoller, eine Umgebung zu schaffen, die private Forschung fördert.

von Benj@min

Ich kann es nicht mehr hören. „Islamrat fordert mehr Respekt für Muslime“ titelt WELT online heute und berichtet darüber, wie Migrantenverbände die aktuelle Integrationsstudie bewerten, die Türken und Arabern besonders wenig Integrationsbemühungen bescheinigt. Zu Selbstkritik sind diese Verbände anscheinend nicht fähig. Stattdessen wird wieder auf die böse deutsche Gesellschaft geschimpft.

Wie soll denn dieser geforderte Respekt aussehen? Sollen muslimische Schüler ihre Abschlüsse geschenkt bekommen und Unternehmen gezwungen werden, Leute einzustellen, die weder über fachliche Qualifikationen verfügen noch einen zusammenhängenden deutschen Satz über die Lippen bekommen, geschweige denn zu Papier? Sollen Moscheen mit Steuergeldern gebaut werden wie in Frankreich? Soll das Neutralitätsgebot des Staates hinter den Wunsch einer Lehrerin zurücktreten, sich islamischen Glaubensregeln zu unterwerfen? Sollen Zwangsehen, Pädophilie und Schächtungen legalisiert werden? Soll der Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz für muslimische Frauen aufgehoben werden?  Soll die Meinungsfreiheit weiter eingschränkt werden, weil durch sie die Gefühle hypersensibler, cholerischer Menschen verletzt werden? Soll öffentliches Essen und Trinken während des Ramadan verboten werden?

Wenn „Respekt“ bedeuten soll, dass ein Staat einem Teil seiner Bevölkerung erlaubt, die eigenen religiösen Regeln über die verfassungsmäßige Ordnung und die Gesetze zu stellen, dann muss die Antwort ganz klar lauten: „FORGET IT!“

Möglicherweise liege ich aber auch falsch mit meiner Einschätzung und die Verbände meinen tatsächlich Respekt, etwa gegenüber anderen Essengewohnheiten, dem Feiern muslimischer Feste und vergleichsweise konservativen Einstellungen zu Dingen des täglichen Lebens. Diesen Respekt bräuchten sie aber dann gar nicht einfordern, denn den haben sie von der Masse der sonstigen Bevölkerung und mir sowieso. 

Vielleicht hat Integration ja wirklich etwas mit Respekt zu tun, allerdings in die andere Richtung. Ist es nicht das Kennzeichen gelunger Integration, wenn die Neuen, die zu Integrierenden, die Werte und Normen einer gewachsenen Gesellschaft zu erkennen und zu respektieren versuchen? Ist das nicht die Grundlage, auf der eine Bereicherung im positiven Sinne durch die Neuen tatsächlich stattfinden kann? Das sollten sich die Migrantenverbände einmal genauer überlegen, wenn sie ihrem offiziellen Anspruch gerecht werden wollen. Wenn sie weiter darauf beharren, dass der Islam allen anderen Religionen und Weltanschauungen moralisch überlegen sei und sich die Staatsverfassung nach religiösen Regeln zu richten habe und nicht umgekehrt, werden sie mit den Köpfen und Herzen nie in Deutschland ankommen und der Kampf der Kulturen wird eines Tages auch auf deutschem Boden blutig ausgetragen werden.

Was ist Gerechtigkeit? Besonders die Vertreter des politischen Spektrums links der Mitte vereinnahmen diesen Begriff ja für sich – reduzieren ihn aber mit ihrer Politik auf die sogenannte „Bedarfsgerechtigkeit“.
Ist es nun aber wirklich gerecht, wenn jeder in Deutschland -unabhängig von Fähigkeit, Leistung und Fortune- Anspruch auf einen Lebensstandard hat, der in neun von zehn Ländern dieser Erde als purer Luxus empfunden wird? Gehören Auto, Fernseher, Handy, Spielkonsole, Markenklamotten, Double-Cheeseburger, Pizza-Bringdienst und ein Urlaub auf Mallorca wirklich zu jenen Dingen und Leistungen, die jeder haben muss?

Wir haben heute in Deutschland die Situation, dass trotz gegenteiliger Darstellung in den Medien -abgesehen von einem durchaus nicht geringen Anteil an tatsächlich hilfebedürftigen Menschen die Kinder zu versorgen und zu betreuen haben oder die aufgrund von Krankheit, Behinderung oder Persönlichkeitsstörungen nur zu einem extrem passiven Leben fähig sind- der Lebensstandard vom Arbeitslosen bis hin zu vielen Akademikern auf einem vergleichbaren Niveau ist.
Der Arbeitslose erhält Arbeitslosengeld, bei ALG II eine Erstattung von Miete und Heizkosten und hat neben gelegentlichen Besuchen bei der ArGe viel Zeit um sein Einkommen durch Schwarzarbeit aufzubessern, der Geringverdiener hat trotz Wohngeld und Kinderzuschlag im Normalfall kein oder nur ein geringfügig höheres Einkommen und der sogenannte Besserverdiener wird durch Steuern und Sozialabgaben, steigende Energiekosten, Betreuungskosten für die Kinder und nicht zuletzt durch zumeist höhere Werbungskosten (Fahrten zur Arbeit, angemessene Kleidung etc.) auf ein ähnliches Niveau gedrückt.

Ausbrechen aus dieser Falle können nur die sogenannten dinks („double income, no kids“) oder Großverdiener. Bei letzteren hat die OECD sogar festgestellt, dass die Steuerlast in Deutschland durch Schlupflöcher und Abschreibemöglichkeiten de facto regressiv ist, soll heißen: wer mehr verdient, zahlt relativ weniger Steuern. Kein Wunder, wenn man durch die sogenannte „kalte Progression“ mittlerweile schon bei einem Einkommen, das nur dem anderthalbfachen des Durchschnitts entspricht, den Spitzensteuersatz zahlt (vor fünfzig Jahren musste man dazu noch das vierzehnfache des Durchschnitts verdienen).

Ist das nun wirklich gerecht, die große Masse durch einen solchen subtilen Sozialismus auf einem undifferenzierten, mittelmäßigen Niveau zu halten, bei wenigen Ausreißern nach oben, damit Mercedes und Porsche auch weiterhin Kunden haben? Viele würden sagen: ja.

Ist es aber nicht! Insbesondere die sogenannten „Besserverdiener“, also Fach- bzw. leitende Angestellte, viele Akademiker, Beamte des gehobenen Dienstes, selbständige Handwerker, Freiberufler und Kleinunternehmer, sind in diesem System extrem benachteiligt. Sie bilden die Schicht, die Deutschland wirtschaftlich und kulturell durch ihre Bildung und Qualifikation, durch Innovationen und persönliche Flexibilität überproportional stark trägt. Insbesondere unter dem Aspekt der Leistungsgerechtigkeit kann es doch nicht richtig sein, diese Schicht künstlich auf ein Niveau mit anderen Schichten zu drücken, in denen Leistungsbereitschaft und Bildungsnähe Fremdwörter sind. Und unabhängig von der Frage nach der Gerechtigkeit ist das doch tödlich für die Bereitschaft der jungen Generation, Zeit und Energie in die eigene Bildung und Qualifizierung zu investieren und eine arbeitsmarktreife Persönlichkeit zu entwickeln. Wozu auch, wenn man das, wenn man den Lebensstandard, denn man so erreichen kann, auch ohne Lernen, Anstrengung und Ablegen von infantilem Verhalten haben kann?

Wenn man dagegen etwas tun möchte, kann man aber nicht einfach sagen: „Steuern und Abgaben pauschal runter, mehr für alle!“ Das wäre unseriös. Auch wenn es auf staatlicher Seite enormes Einsparpotential durch Entbürokratisierung und Abbau von Subventionen gibt, wird es natürlich Menschen geben, die in einem leistungsgerechten System schlechter dastehen. Das Motto muß lauten: „Unterstützung für Hilflose, mehr für mittelständische Leistungsträger, progressiv weniger für Großverdiener und nichts für Menschen, die zumutbare Arbeit ablehnen.“

Leistungsgerechtigkeit gehört also auf die dringend notwendige Agenda 2020, aber nicht nur sie alleine. Unter der Prämisse, dass Eltern und Umfeld den Rahmen für die Entwicklungsmöglichkeit eines jungen Menschen geben, muss es auch Aufgabe des Staates sein, Chancengerechtigkeit sicher zu stellen. Auch davon sind wir in Deutschland weit entfernt. Chancengerechtigkeit hieße, dort, wo es nötig und möglich ist, durch kostenlose Betreuung und Bildung, das genetische Potential von Kindern gegen negative Einflüsse durch Familie und Umfeld auszuschöpfen. Im Klartext hieße das: Kostenlose Betreuung und Frühförderung von Kleinkindern in Krippen und Kindergärten, viel mehr Ganztagesschulen (insbesondere Grund- und Hauptschulen), Lernmittelfreiheit und -als Grundlage für eine gute Entwicklung und vermutlich gegen den Widerstand der Pharmaindustrie- das Anbieten einer ausgewogenen Schulspeisung sowie ein massiver Ausbau von Bewegungs- und Sportunterricht in Kindergärten und Schulen. Diese Investitionen würden sich für den Staat langfristig vielfach auszahlen.

Es ist schon erstaunlich, wie die deutschen Medien die Aussagen der Regierenden unreflektiert widerkäuen und verbreiten: „SPD und die Union wollen Familien besser unterstützen“, konnte man heute allenthalben hören und lesen. Während die Union den Kinderfreibetrag und das Kindergeld anheben wollten, sei es Absicht der SPD den Kinderfreibetrag zu streichen und durch ein einheitliches, höheres Kindergeld zu ersetzen.
Weiß das in den Redaktionen niemand oder hat man dort Grund, es zu verschweigen, aber der Bundestag hat gar keine andere Wahl, als den Kinderfreibetrag zu erhöhen, wenn Ende des Jahres das Existenzminimum neu berechnet wurde. Das hat das Bundesverfassungsgericht 1999 so entschieden (übrigens unter maßgeblichen Beteiligung eines „Heidelberger Professors“ als Verfassungsrichters, der mal als Minister in einem Kabinett Merkel/Westerwelle vorgesehen war, durch die Schrödersche SPD aber in einer bösartigen Wahlkampfkampagne diskreditiert wurde). Und was die Idee der SPD angeht: Einen Steuerfreibetrag zur Existenzsicherung kann man nicht abschaffen – ein solches Gesetz würde von Karlsruhe auf jeden Fall kassiert.

Das ganze ist nur eine große Show. Die Große Koalition stellt etwas als edle, familienfreundliche Tat dar, um das sie sowieso nicht herum kommt. Und die SPD spekuliert auf die Unwissenheit der Bürger, um hinterher sagen zu können „Tut uns leid, aber das Bundesverfassungsgericht erlaubt uns unsere Anti-Reichen-Politik nicht“.

Eine echte familien- und bildungsfreundliche Politik hieße -neben der regelmäßigen Erhöhung von Freibetrag und Kindergeld- den Höchstbetrag beim Elterngeld zu erhöhen und es auf zwei Jahre zu verlängern, die steuerliche Absetzbarkeit von Betreuungskosten massiv auszubauen, Lernmittelfreiheit, Ganztagesschulen mit ausgewogenem, kostenlosem Mittagessen und individuelle Förderung von Begabungen an staatlichen Schulen.

NACHTRAG: Immerhin hat Spiegel Online doch etwas bemerkt.

…wurde das Mädchen genannt, das heute vor genau 100 Jahren im schwedischen Småland das Licht der Welt erblickte. Seit 2002 wohnt sie in Nangijala, wo es kein Internet gibt. Sie wird das hier also nicht lesen können. Trotzdem möchte ich es los werden: Vielen Dank für Michel, Pippi, Karlsson und Ronja und die vielen schönen Stunden, die mir Deine Heldinnen und Helden in der Kindheit bereitet haben und meinen Kinder bald bereiten werden!

Das berichtet SPON pünktlich zum 9.November und bezieht sich auf eine Studie der FU Berlin.
Die Unwissenheit über die Geschichte Deutschlands nach 1945, die weltpolitischen Zusammenhänge, vor allem aber über die Unmenschlichkeit der DDR-Diktatur sollten uns wirklich alarmieren. Wie FDP-Chef Westerwelle bereits sagte, dürfen Sprüche wie „Es war nicht alles schlecht“ weder in Bezug auf die Nazi-Diktatur, noch auf die SED-Diktatur in Deutschland ohne Weiteres benutzt werden.
Bezeichnend finde ich auch die Reaktion vieler Lehrer auf die Studie: Man dürfe die DDR nicht nur aus der westlichen Perspektive beurteilen. Das ist Kulturrelativismus pur – wer Menschenrechte zur Disposition stellt, sollte keine Kinder unterrichten.

NACHTRAG: Da ich mehrmals schon von Bekannten, die im Ostblock aufgewachsen sind, darauf hingewiesen wurde, dass das Leben dort eigentlich gar nicht so schlimm gewesen sei, folgende Anmerkung: Natürlich blenden Menschen, die in einem solchen System leben und dank ihrer Integration bzw. Unauffälligkeit nicht ins Visier der Staatsmacht geraten, gerne aus, dass der freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit enge Grenzen gesetzt sind. Möglicherweise stört das viele tatsächlich nicht – wobei ich glaube, dass das auch viel mit rückblickender Nostalgie zu tun hat. Anders sieht es bei denjenigen aus, die überwacht, gedemütigt, von ihrer Familie getrennt, eingesperrt und in Einzelfällen an der Grenze oder in einem Geheimgefängnis erschossen wurden.
Die Mehrheit der DDR-Bürger waren sicher freundliche, anständige und ehrliche Menschen, vielleicht das sogar mehr, als ihrerzeit die Westdeutschen. Das ändert aber nichts daran, dass der Staat, in dem sie (zwangsweise) lebten, verbrecherisch war und nicht verharmlost werden darf.

Da die Eltern der betroffenen Kids oft intellektuell nicht in der Lage sind, ihren Kindern die richtige Einstellung zu Bildung und Erfolg zu vermitteln und sie sinnvoll zu beschäftigen, ist ein wichtiges Vorhaben in diesem Zusammenhang auch die flächendeckende Einführung von ganztägig geöffneten Kindergärten und Ganztagesschulen (vor allem im Grundschulbereich) mit kostenlosem Mittagessen.Es spricht meiner Meinung nach auch überhaupt nichts dagegen, die Nachmittagsbetreuung an solchen Schulen zum Teil Stiftungen und Vereinen zu übertragen. Damit könnte erstens Geld gespart werden und zweitens hätten die Schülerinnen und Schüler auch mal Einblick in die Realität jenseits der des Lehrkörpers, die ja zumeist von theoretischem Wissen und der von Leistung weitgehend unabhängigen Sicherheit des Beamtenstatus geprägt ist.Ich denke da an die spielerische Vermittlung des politischen Systems in Deutschland und Europa, von Geschichte, von Kulturen anderer Länder und natürlicher an sportliche Betätigung.Aufpassen müsste man natürlich nur, dass nicht irgendwelche dubiosen Organisationen (z.B. Scientology) diese Möglichkeit nutzen um Zugang zu den beeinflußbaren Kindern zu bekommen, wie es ja bereits im Bereich der privaten Hausaufgabenbetreuung vorkam.

Laut der aktuellen Kinderstudie von World Vision fühlen sich in Deutschland Kinder aus der Unterschicht bereits im Alter von 8 bis 11 Jahren benachteiligt. „Auch wenn sich die Mehrheit von ihnen mit dem Leben recht zufrieden zeigt, werden soziale Unterschiede deutlich wahrgenommen.“ Laut der Studie streben Kinder aus der Unterschicht auch niedrigere Schulabschlüsse an, als andere Gleichaltrige.

Diese Aussagen zeigen das große Problem Deutschlands. Man richtet sich mit ALG II und inoffiziellen Nebenjobs einigermaßen gemütlich ein, nimmt die Schule als lästiges Beiwerk von Kindheit und Jugend wahr und blickt trotzdem neidisch auf die Einfamilienhäuser und BMWs in den Vorortsiedlungen. Sicher, viele „Unterschichtler“ würden auch gerne hart arbeiten und Karriere machen – nur leider kommt diese Einsicht oft erst dann, wenn schon alle Grundlagen fehlen und der Zug abgefahren ist.

Das Erschreckende an diesen Ergebnissen ist ja, dass die Kids einerseits neidisch sind, andererseits aber auch zufrieden mit ihrem Leben. Dabei sollte es genau umgekehrt sein: Erfolgreiche Menschen (vor allem außerhalb der Unterhaltungsindustrie) sollten als Vorbild gesehen werden statt als Neidojekt zu dienen und die Kids sollten eben nicht zufrieden mit sich sein, sondern nach Höherem streben.

Der erste Schritt dazu wäre die Bekämpfung der Bildungsfeindlichkeit und der negativen Bewertung von Erfolg – bei den Eltern, in der Schule, bei einigen Politikern und in manchen populären Medien.