Thomas Fricke beschreibt in der FTD, warum die Abwrackprämie verhindert hat, dass die deutsche Wirtschaft in eine jahrelange, tiefe Depression gefallen ist.
Machen wir also eine Bilanz der Abwrackprämie: In diesem Jahr wurden etwa 1,7 Mio. Anträge für die Umweltprämie eingereicht. Jeder Autokäufer bekam einen Zuschuss von 2500€ für jedes abgewrackte Modell. Wenn man mal annimmt, dass jedes dieser abgewrackten Autos noch 1000€ wert war, dann wurden also 1,7 Mrd. Euro an Sachwerten vernichtet und der Steuerzahler hat diese Vernichtung mit etwa 5 Mrd. Euro subventioniert, wenn man den Bürokratieoverhead mit einrechnet. So gesehen scheint mir die Abwrackprämie kein Segen, sondern das dümmste Regierungsprogramm aller Zeiten zu sein.
„Aber halt!“ meint Fricke: die Abwrackprämie hat Nachfrage geschaffen und damit verhindert, dass Deutschland tiefer und tiefer in der Rezession versunken ist.
Aber wer hat überhaupt von der Abwrackprämie profitiert? Einen Audi, BMW oder Mercedes haben jeweils weniger als 2% der Abwrackprämiennutzer gekauft — einen VW dafür fast 18%. Wie steht die deutsche Autoindustrie insgesamt da? In den ersten fünf Monaten dieses Jahres ist der Umsatz um mehr als 30% eingebrochen. Des weiteren hat die Abwrackprämie dazu geführt, dass der Marktanteil ausländischer Fahrzeuge im Inland innerhalb weniger Monate von 36% auf 46% angesprungen ist. Vermutlich wurde also eher von deutschen Fahrzeugen weginvestiert.
Darum frage ich mich, wo man große Hinweise sehen kann, die Abwrackprämie hätte eine Depression verhindert. Sie hat ja der deutschen Autoindustrie kaum geholfen — allerhöchstens den deutschen Händlern.
Und der Rückschlag wird kommen: jetzt werden weniger Autos gekauft werden und Händler werden sterben. Aber das sei nicht so tragisch meint der FTD-Artikel, denn die Auslandsnachfrage sei bereits wieder „hochgeschnellt“ … aber das dürfte sicher auch damit zu tun haben, dass viele andere Länder Abwrackprämien installiert haben und damit auch in diesen Ländern die langfristige Nachfrage nach gewissen Automobilen auf ein paar kurze Monate zusammengestaucht wird. Daher ist die angegebene Zahl von 43% auch reichlich aussagelos.
Daher frage ich mich, warum ein solches Programm so gelobt wird, aber keine Hinweise gegeben werden, die die These vom Verhindern der schlimmen Depression halbwegs untermauern. Dabei sind die negativen Auswirkungen doch offensichtlich: es ist schlecht für die Umwelt, es ist schlecht für einkommensschwache Familien, die Gebrauchtwagen kaufen möchten, es ist schlecht für den Export in ärmere Länder …
Es gibt ja einen Grund, warum typische Konjunkturprogramme im wesentlichen darin bestehen, Löcher zu graben und diese wieder zuzuschütten. Bei nicht ausgelasteten Kapazitäten mag das eine akzeptable Idee sein. Aber Wertgegenstände zu zerstören um die Gesamtnachfrage hochzuhalten, das ist eigentlich nie eine gute Idee.