Ja, israelische Bomben, Raketen und Gewehrkugeln töten unschuldige Kinder, die sich in der Nähe militärischer Ziele aufhalten. Manchmal gehen sie auch fehl und manchmal hat die Aufklärung falsche Ergebnisse geliefert. Das steht nicht zur Debatte. Und manche Soldaten der israelischen Streitkräfte machen auch pflichtwidrig grausame, unnötige Dinge. Das haben sie mit allen Streitkräften in Extremsituationen gemein.
Das soll keine Rechtfertigung oder Entschuldigung sein. Kriegsverbrechen und entwürdigendes, sadistisches Verhalten gegenüber der Zivilbevölkerung müssen allein schon wegen der Erhaltung der Disziplin, aber natürlich auch aus anderen wichtigen Gründen, allen voran der Verpflichtung zu humanem Verhalten und um den Feind nicht moralisch zu stärken und Haß zu säen, konsequent verfolgt und bestraft werden.
Eines aber ist sicher: Menschrechtsverletzungen durch Angehörige der IDF sind nicht systembedingt. Sie werden weder befohlen, noch gefördert, noch von der Militärführung, der Politik oder der israelischen Bevölkerung gut geheißen. Der Krieg, der zu dieser Verrohung führt, wird Israel von Gruppen, die diesen Staat und das jüdische Volk vernichten möchten, aufgezwungen.
Golda Meir sagte 1967 in einer Presskonferenz: “When peace comes we will perhaps in time be able to forgive the Arabs for killing our sons, but it will be harder for us to forgive them for having forced us to kill their sons.“
Dieser Satz bringt zum Ausdruck, was fast jeder, der in einem Krieg Schuld auf sich geladen hat, der sich “die Finger dreckig gemacht hat”, fühlt: Eine riesige Wut auf diejenigen, die ihn dazu brachten, auf andere Menschen zu schießen. Anderen Menschen das Leben zu nehmen widerspricht der menschlichen Natur. Nur ganz wenige schaffen es, durch permanente Autosuggestion mit ideologischen oder fanatischen Haßparolen oder (wenn es um das eigene Überleben geht) durch Ausschalten der eigenen Emotionen, diese fühlbare Erkenntnis zu unterdrücken.
Damit ist nicht gemeint, dass Veteranen stets ihre eigene militärische Führung, die ihnen die Befehle erteilte, oder stets die feindliche Führung hassen – es geht immer individuell um die Frage, wen man als den Verursacher ansieht. Wenn dieser Verursacher eindeutig feststeht, wie es im Zweiten Weltkrieg der Fall war, wie es aber auch beim aktuellen Krieg im Nahen Osten ist, dann ist diese kollektive Wut, die sich auf allen Seiten gegen den Gleichen richtet eine große Chance für Frieden, sofern dieser Verursacher niedergeworfen und bestraft wird.
Ich hoffe daher, dass die Hamas im Gaza-Streifen so schnell wie möglich vernichtend geschlagen wird. Dann wird sich zeigen, ob das palästinensische Volk verstanden hat, was geschehen ist und warum es zu diesem Krieg kam. Wenn Israel im Anschluss an diesen leider unvermeidbaren Krieg denjenigen die Hand reicht, die Frieden wollen und sie dabei unterstützt, sich von dem Einfluß der Hamas zu befreien -ohne dass sie dabei ihr Gesicht verlieren- dann gibt es eine Chance auf eine Versöhnung. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte legen etwas anderes nahe, aber man darf die Hoffnung nie aufgeben. Sonst haben die Terroristen ihr Ziel erreicht.
Januar 12, 2009 at 10:57
Ziel der Hamas ist es, dass alle Welt glaubt, es gehe um einen Krieg zwischen (allen) Juden und (allen) Moslems. Und undifferenzierte Meinungsäußerungen auf beiden Seiten fördern diese gefährliche Polarisierung.
Tatsächlich geht es m.E., wie so oft, um einen Konflikt zwischen “Liebenden” und “Hassenden” oder wie Erich Fromm es ausdrückte zwischen Biophilie, also der Liebe zum Lebendigen und Nekrophilie, dem Zerstörungs- und Todestrieb.
Die Hamas (und wahrscheinlich auch einzelne fanatisierte Israelis) ist nekrophil. Sie treibt das israelische Volk und die friedliebenden Teile des palästinensischen in einen Strudel aus Tod und Zerstörung. Wenn man gegen die Hamas kämpft, macht das daher nur Sinn, wenn man sie auch nachhaltig besiegt. Dann können die biophilen Palästinenser an die Macht kommen. [...]
Hinweis auf diesen Artikel bei Letters from Rungholt
Januar 13, 2009 at 1:30
Golda Meir sagte 1967 in einer Presskonferenz: “When peace comes we will perhaps in time be able to forgive the Arabs for killing our sons, but it will be harder for us to forgive them for having forced us to kill their sons.“
Es heißt, sie sagte weiterhin so etwas wie: Der Krieg kann erst enden, wenn die Araber ihre Kinder mehr lieben als sie uns hassen.
Januar 13, 2009 at 6:30
Only grausam, Benjamin!
Krieg kann nie Mittel der Politik sein.
http://djdeutschland.wordpress.com/2009/01/10/hor-auf-israel/
Dj
Januar 14, 2009 at 12:14
Krieg war immer ein Mittel und wird es auch immer sein. Die Frage ist für mich eher: Sind alle Beteiligten verantwortlich genug, ihn als letztes Mittel zu verstehen. Andererseits könnte auch das Unterlassen einer Intervention eine unverantwortliche Verschlimmerung der Ausgangslage nach sich ziehen, was aus meiner Sicht sogar Krieg zu einem probaten Mittel verantwortungsvollen Handelns werden lassen kann.
Januar 14, 2009 at 10:10
Die einen sind nicht verantwortlich genug ihre Kinder in Sicherheit zu bringen und machen Wahlkampf, die anderen sind nicht in der Lage ihr Gefängnis im unversehrten Zustand zu verlassen und sind einer hemmungslosen Vernichtungsmaschinerie schutzlos ausgesetzt.
Dj